Voyager of the Seas – 8 Tage Mittelmeer
Wir sind zu einem Seminar auf See eingeladen, um die Voyager of the Seas kennenzulernen. 8 Tage lang geht es durch das Mittelmeer von Barcelona über Frankreich und Italien wieder zurück an den Ausgangshafen. Nach einer Nacht in Barcelona inklusive Stadtbesichtigung gehen wir unter azurblauem Himmel (ciego azul) in Barcelona am Samstag Mittag an Bord der “Voyager of the Seas”. Die faszinierenden Ausmaße des Schiffs: über 300 Meter lang, über 60 Meter hoch. Das Finden der Kabine macht dem Begriff „Zurechtfinden“ alle Ehre, es dauert gute 20 Minuten, bis wir die Kabine gefunden haben – Zeit genug, dass unser Gepäck auch schon da ist!!! Von nun an widmen wir uns der Erkundung des Schiffs.
Selbstverständlich sind die Restaurants als erstes dran – man kommt ja auch nicht wirklich an Ihnen vorbei. Beeindruckend finden wir außerdem die Joggingstrecke in 50 Meter Höhe sowie die Kletterwand am Schornstein in 60 Meter Höhe. Die Begeisterung für Volleyballfeld, Fußballfeld und Eislaufbahn scheidet die Geister… Einen tun sie sich wieder beim Fitnesscenter und dem imposanten Wellnessbereich mit Blick aufs Meer. Gegen 17h heißt es „Leinen los“ von Barcelona in Richtung Frankreich.
Die erste Stunde auf See verbringen wir mit der obligatorischen Seenotrettungsübung, danach geht es auf ein erstes Treffen der Seminarteilnehmer im “English Pub” in der “Royal Promenade”. Die Promenade liegt im Herzen des Schiffs und erinnert mehr an eine amerikanische Shopping Mall denn an das Innere eines Schiffs… Die Gruppe des Seminars ist kunterbunt gemischt, genau so wie das Publikum an Bord. Mit 57 verschiedenen Nationen kommt das Ambiente einer Versammlung der UNO nahe – bloß eben viel lustiger:-)
Das erste Abendessen im Restaurant lässt eine gigantische Vorfreude auf die nächsten 7 Tage aufkommen, einige haben 2mal nachbestellt!!!! Der erste Tag an Bord klingt bei einem Kurzbesuch in der im Schiffsrumpf liegenden Diskothek und einem längeren Aufenthalt in der ganz oben liegenden Viking Crown Lounge aus.

English Pub
Der zweite Tag heißt Marseille – vermutlich hat kaum einer der Gäste die Einfahrt morgens in aller Herrgottsfrühe mitbekommen, allerdings werden auch wenige so spät wie wir aufgestanden sein, dass sie das Frühstück verpasst haben… Trotzdem langt die Zeit noch für einen kurzen Abstecher in den Hafen von Marseille, um sich dort mit Blick auf’s Meer einen Kaffee oder Pastis zu genehmigen und durch die engen Gassen von Marseille zu schlendern, die wir bisher nur von Asterix und Obelix „Tour de France“ kannten. Zurück an Bord geht’s weiter mit einem Vortrag über die Philosophie von Royal Caribbean – wir sind ja schließlich auf einem Seminar!! Das Abendessen lässt abermals überhaupt keine Wünsche offen, trotzdem wird heute nur 1mal nachbestellt. Der Abend klingt ruhiger aus als der Abend davor, anscheinend sind die Batterien der Seminarteilnehmer wohl vom ersten Abend noch ein wenig leer.
Am dritten Tag schaffen wir dann auch das Frühstück (den leeren Batterien vom Vorabend sei dank) und haben einen wundervollen Ausflug von Villefranche in die benachbarten Dörfer vor uns. Einige beschließen zwar, auch Nizza und Cannes mitzunehmen, aber ein Seminar muss ja nicht immer in Urlaubsstress ausarten… Der Hafen von Villefranche ist recht klein, wir werden getendert. Der Besuch in den Nachbardörfern ist entzückend, in einigen Gassen lächelt einem das Mittelalter direkt ins Gesicht, die Farben der Blumen und Häuser spielen in der Sonne und gönnen uns einen unvergesslichen Anblick. Den haben wir auch, als wir in den Hafen von Villefranche zurückkommen und unser Schiff erblicken – vom Dorf aus wirkt die Voyager zwischen den ganzen kleineren Seglern einfach nur gigantisch. Zurück an Bord wird beim Joggen auf Deck 12 mit einem malerischen Blick auf den Hafen von Villefranche das Abendessen vom Vortag in die Schranken gewiesen. Aber es soll nichts helfen, auch an diesem Abend ist das Essen zu gut, um an einem Nachschlag vorbeizukommen… Der Abend endet im Nachtclub unter Deck bei einer internationalen Party, um die uns jeder Erasmus-Student beneiden würde.

Villefranche
Am nächsten Morgen liegen wir im Hafen von Livorno, der nicht gerade zum Landgang einlädt. Da der Ausflug nach Florenz und Pisa doch eine ganze Menge Zeit in Anspruch nehmen würde, beschließen wir, an Bord zu bleiben. Eine sehr gute Entscheidung, endlich testen wir das Fitnesscenter, kommen in den Genuss des Wellnessbereichs, klettern am Schornstein hoch und verlieren beim Volleyballturnier… Was zeitlich nicht mehr passte, holen wir nach dem Abendessen nach, wir setzen uns unter sternenklarem Himmel mit ein paar Cocktails in den Whirlpool und veranstalten eine fette Poolparty.
Und genau diese Party hängt uns noch am nächsten Morgen nach, wir verpassen wieder mal das Frühstück. Damit hat sich auch der Ausflug nach Rom erledigt, von Civitavecchia braucht man mit dem Zug rund eine Stunde pro Strecke. Also bleiben wir mit einem breiten Grinsen an Bord und erledigen das, was wir noch nicht geschafft haben, Besuch auf der Eislaufbahn, auf Deck in der Sonne liegen, den ganzen Tag lang essen, Minigolf spielen und mit ein paar Kanadiern (auf englisch!!) über Sinn und Unsinn des Lebens philosophieren. Abends geht es ins Casino, um den Gutschein, der auf dem Zimmer lag, zu verbraten. Ging ziemlich schnell, keiner von uns hat es mit 20 Dollar länger als 10 Minuten am Roulettetisch geschafft. Macht aber nix, es gibt ja noch das Highlight im Theater – Foreigner tritt auf. Die guten Herren haben zwar ihre beste Zeit in den Charts schon ein paar Jahre hinter sich gelassen, aber der Auftritt ist trotzdem nicht von schlechten Eltern. Mit „I wanna know what love is“ beenden sowohl Foreigner als auch wir den Abend.
Tag 6 (wir schaffen das Frühstück) liegen wir in Neapel. Der Liegeplatz ist direkt im Zentrum von Neapel und wir stolpern aus dem Schiff direkt auf den Hauptverkehrsknotenpunkt. Nach zwei Tagen ohne Landgang steht das Gewusel Neapels im krassen Gegensatz zum entspannten Laissez Faire an Bord und es dauert eine gute halbe Stunde, bis wir unsere Wahrnehmung an die doppelte Geschwindigkeit des vorbeirauschenden Films angepasst haben. Aber dann geht’s ab, wir entdecken die kleinen Gassen Neapels, die noblen Yachthäfen am Meer, die Top-Wohnlage der Stadt mit Blick auf den Vesuv und die szenigsten Cafés der Stadt. Zurück an Bord gibt es Abendessen (soll ich noch erwähnen, dass es hervorragend ist?) und ein entspannter Abend in der Viking Crown Lounge auf Deck 13 mit Blick auf den Sonnenuntergang lässt das wuselige Neapel wie einen Abstecher in eine ferne Welt erscheinen.

Neapel
Tag 7 ist der einzige Seetag unserer Reise, dementsprechend groß ist der Respekt vor dem Gedränge an Bord. Allerdings stellt es sich als deutlich harmloser heraus als gedacht. Die Inder verbringen nach wie vor den gesamten Tag im Casino unter Deck, viele Amerikaner nutzen anscheinend die Programmangebote unter Deck und so bleibt für die Europäer und den Rest der Welt ausreichend Platz, um auf dem Liegestuhl oder im Whirlpool Platz zu nehmen.
Highlight des Tages ist die Meerenge von Bonifacio – die Durchfahrt zwischen Korsika und Sardinien. Vom Bug hat man einen wundervollen Blick auf die beiden Inseln mit den schneeweißen Stränden und Kreidefelsen. Den Rest des Tages machen wir eigentlich nichts und warten auf das Abendessen. Diesmal halten wir uns alle zurück, denn es gibt ja noch das Mitternachtsbuffet. Eigentlich zu schön zum Verzehren bietet der Koch alle seine Kunst auf, um ein kulinarisches Meisterstück zu zaubern. Wir essen bis weit nach Mitternacht (vorher ging ja auch nicht) und arbeiten das späte Mahl bei unserem letzten Besuch im Nachtclub ab.

Meerenge von Bonifacio
Der letzte Morgen an Bord gibt uns Blick auf Barcelona – eines der härtesten Seminare meiner Laufbahn geht zu Ende und ich bereite mich schweren Herzens auf das Vonbordgehen vor. Die Woche hat mich als Kreuzfahrtneuling so dermaßen überrascht und unglaublich viele meiner Vorurteile widerlegt, dass ich eine neue Form des Urlaubs für mich entdeckt habe. Zu guter letzt noch einen ganz herzlichen Dank auch an die äußerst freundliche Besatzung und die weiteren Seminarteilnehmer (einige von Euch werde ich nie vergessen), die mir einen unvergesslichen Einstand auf See beschert haben!
veröffentlich in: Reiseberichte Royal Caribbean

