Queen Mary 2 New York – Hamburg
Es gibt schnellere Wege über den Atlantik zu kommen, aber keinen schöneren: Eine Transatlantik-passage mit der „Queen Mary 2“ ist etwas ganz Besonderes, ein bezahlbarer Traum, eine Erfahrung, die man nie vergisst. In einer immer schneller werdenden Welt ist es ein Stück Luxus sich die Zeit zu nehmen, gemütlich ohne Stress und Hektik zu verreisen – ganz wie in vergangenen Zeiten und dabei alle Annehmlichkeiten eines perfekten Services in einem stilvollen Ambiente zu genießen.

Transatlantik NY - HH
Einzigartig ist bereits das Ablegen in New York: Beim Auslaufen versammeln sich die Passagiere an Deck, um bei einem Glas Champagner oder mit einem Longdrink in der Hand die prachtvolle Kulisse der wolkenkratzerbestückten Skyline zu bestaunen. Kurz nach Manhattan schweift der Blick rüber nach Steuerbord, zum Greifen nah liegt Ellis Island mit der Freiheitsstatue. Kurze Zeit später halten viele Sehleute an Bord erneut den Atem an und ziehen unwillkürlich den Kopf ein – der Schornstein des 72 Meter hohen Luxusliners scheint unweigerlich die Verrazano-Bridge zu streifen. Aber natürlich passt die „Königin der Meere“ hindurch, auch wenn es aus der von unten verzerrten Perspektive nach Millimeterarbeit aussieht.
Mehr als 2.600 Passagiere und 1.300 Besatzungsmitglieder befördert der Luxusdampfer, der von Ihrer Majestät Queen Elizabeth II. in Southampton getauft wurde, auf der neuntägigen Fahrt nach Hamburg. Still, nahezu lautlos gleitet das 345 Meter lange Schiff majestätisch auf dem Ozean dahin. Die „QM 2“ ist für den Transatlantischen Liniendienst mit seinen extremen Anforderungen konzipiert und kann selbst Stürmen mit hohen Wellen problemlos und sicher trotzen. Stark und stabil gebaut, würde sie mit ihrem langgezogenen Bug bei jedem Schönheitswettbewerb auf den vorderen Plätzen landen – ohnehin hat der Atlantikliner mit dem abgerundeten Heck hinter dem noch runder geformten Hinterteil der „Queen Elizabeth 2“ den schönsten Popo auf allen sieben Weltmeeren.
Die Tage an Bord lassen sich je nach Interesse und Lust reichlich füllen, ab dem Frühsport um 6.30 Uhr werden bis in den späten Abend zahlreiche Aktivitäten, Vorträge, Shows und Auftritte angeboten. Aber auch wer einfach nur entspannen, sonnenbaden oder lesen möchte, findet viele ruhige Ecken an Bord. Auf 13 Decks wird aller nur erdenklicher Luxus geboten: Die Inneneinrichtung ist dem Art deco-Stil der 20-er Jahre nachempfunden, bietet aber gleichzeitig alle Errungenschaften moderner Materialien und Technik. Geschwungene Treppen über mehrere Decks in der Grand Lobby und dem Britannia Restaurant, Säle mit Kuppeln und Lichthöfen, der große Ballsaal Queens Room – alles erinnert an die Grandezza der guten alten Zeit. Was auffällt ist das riesige Platzangebot: zwar sind inklusive Besatzung mehr als 4.000 Menschen an Bord, aber man bekommt nie das Gefühl, sich auf einem Massendampfer zu befinden. 5.000 Kunstwerke für insgesamt 5 Millionen Dollar schmücken Gang- und Kabinenwände, 8.000 Bücher stehen in der größten Bibliothek auf See in edlen verglasten Holzvitrinen zur Auswahl. Im Royal Court Theater können jeden Abend mehr als 1.100 Gäste eigens produzierte Shows bewundern, das einzige Planetarium auf einem Schiff mit seiner gewaltigen Kuppel dient auch als Kino. Vorträge und Seminare – vom Schauspiel- bis zum Computerkurs – werden im modernen Schulungszentrum ConneXions abgehalten, das auch als Businesscenter für Konferenzen und Veranstaltungen genutzt werden kann. Der Fitnessraum verfügt allein über mehr als 20 Laufbänder und unzählige andere Geräte, der Wellnessbereich des Canyon Ranch Spa Club erstreckt sich über zwei Decks mit fast 30 Räumen und bietet auf 1.900 Quadratmetern ein nahezu unbegrenztes Angebot an Massagen, Kosmetik sowie eine Saunalandschaft. Auf Deck 12 können sich Sportliche an der frischen Luft auf Basketball- und Tenniscourt austoben oder in den Golfsimulatoren bis zu 52 unterschiedliche Kurse spielen. Gemütlichere Naturen vergnügen sich bei Tischtennis und Shuffleboard oder nehmen lieber gleich einen Drink an der Terrassenpool- oder einer der anderen acht Bars an Bord.
Königlich viel Platz hat man auch auf der Kabine: Selbst in der untersten Kategorie stehen noch 18 Quadratmeter zur Verfügung, das Standardangebot umfasst Kabinen von 23 – 25m², deutlich größer als auf anderen Schiffen. Die meisten der 1.310 Unterkünfte sind Außenkabinen und verfügen fast alle über einen Balkon. Majestätische Dimensionen haben die beiden Grand Duplex-Suiten mit 209 Quadratmetern auf zwei Ebenen und eigenem Butler. Den kulinarischen Köstlichkeiten an Bord lässt sich kaum widerstehen, Auswahl und Qualität sind hervorragend. Neben Essen und Getränken beeindrucken auch in den Restaurants Stil und Einrichtung: Das Britannia-Restaurant, drei Decks hoch, bietet bis zu 1.300 Passagieren Platz, die in traditionellen zwei Sitzungen speisen. Wem Frühstück und die sieben Gänge bei Mittag- und Abendessen nicht reichen oder wer Abwechslung möchte, kann in einem der fünf anderen Themenrestaurants essen gehen. Die rund 400 Passagiere, die in den teuersten Kabinen wohnen, dinieren in Princess- oder Queens-Grill mit noch mehr Auswahl a la carte.
Nach fünf Tagen auf See mit Blick auf endlosen Horizont, kommt wieder Land in Sicht – Europa ist erreicht. Durch den Golf von Biskaya geht es die nächsten beiden Tage entlang der spanischen und französischen Küste Richtung Ärmelkanal, dann vorbei an den ostfriesischen Inseln bis zur Elbmündung. Bei Cuxhaven beginnt kurz nach Mitternacht die Fahrt flussaufwärts zum Hamburger Hafen, die Nacht ist für die meisten Passagiere kurz, kaum jemand will die Einfahrt verpassen – viele eilen bereits morgens um 6.00 Uhr nach einem schnellen Kaffee an Deck. Nach der Schiffsbegrüßungsanlage in Schulau, wo die britische Nationalhymne für den Luxusliner gespielt wird, liegen backbord schon die Villen und Kapitänshäuschen des Blankeneser Treppenviertels. Das riesige Hafenareal mit den großen Docks und die Kirchtürme der Hansestadt stimmen die Passagiere auf ihren Besuch in Hamburg ein. Landungsbrücken und Michel in Sicht begrüßt die „Queen Mary 2“ mit dumpfen Dröhnen die Hansestadt – das aus der ersten „Queen Mary“ ausgebaute Schiffshorn ist rund 18 Kilometer weit zu hören. Und entlang des Elbufers, an den Landungsbrücken und in der HafenCity werden wieder viele Schaulustige stehen, denn wann immer das längste Passagierschiff der Welt in Hamburg auftaucht, stehen Menschen dichtgedrängt und staunen die blau-schwarze 150.000 Tonnen-Riesin mit den schneeweißen Aufbauten ehrfürchtig an. Sie träumen den Traum, den sich die Passagiere gerade selbst erfüllt haben – einmal im Leben mit der „Queen Mary 2“ über den Atlantik zu fahren.
veröffentlich in: Reiseberichte Cunard